Gebete, Gottesdienste, die Zugehörigkeit zu einer Glaubensgemeinschaft oder die Frage nach innerem Frieden und dem Sinn des Lebens: Für Menschen mit kognitiven Einschränkungen bleiben solche Formen religiöser und spiritueller Teilhabe oft unerreichbar – etwa, weil Sprache, Strukturen und Angebote nicht barrierefrei gestaltet sind. Ein interdisziplinäres Kooperationsprojekt der Bistümer Limburg und Paderborn, der Evangelischen Kirchen Hessen und Nassau mit der Universität Witten/Herdecke will das ändern.

Konkrete Hilfen für mehr Teilhabe an Religion

Jeder Mensch hat das Recht auf Ausübung einer Religion – die UN-Behindertenrechtskonvention hat dieses Menschenrecht aufgegriffen und verdeutlicht. Aus diesem Anspruch entstanden sind zwei Materialien, die sich an Menschen mit Behinderung ebenso wie an Assistenzpersonen und Mitarbeitende in Einrichtungen und Gemeinden richten: eine Handreichung mit dem Titel „Ich habe Fragen – Ich möchte mitmachen. Meine Spiritualität begleitet“ sowie ein Karten-Set zur Teilhabeplanung. Die Handreichung ist als Wendeheft in Alltagssprache und Einfacher Sprache erschienen, macht Teilhabemöglichkeiten in neun Lebensbereichen greifbar und ermutigt Assistent:innen, aktiv nach den Teilhabewünschen zu fragen.  Erklärt wird, welche Form der Unterstützung – von der religionssensiblen Assistenz bis zur Seelsorge – jeweils möglich und passend ist. 

Die Handreichung benennt zu verschiedenen Lebensbereichen wie Kommunikation oder Mobilität konkrete Materialien und Kontaktadressen. Ein ergänzendes Karten-Sets hilft, Gespräche zu gliedern und ebenfalls entlang dieser neun Lebensbereiche, spirituelle und religiöse Bedürfnisse zu benennen und in Handlungsschritte zu übersetzen. So können Menschen mit Behinderung strukturiert ausdrücken, ob sie etwa einen Gottesdienst besuchen, beten oder einer Gemeinde angehören möchten – und Assistenzpersonen wissen, wie sie dabei unterstützen können.

Mit der Sicht auf Spiritual Care wird ein zentraler Bestandteil ganzheitlicher Begleitung aufgenommen. Studien des Lehrstuhls für Lebensqualität, Spiritualität und Coping der Universität Witten/Herdecke zeigen, wie wichtig die Berücksichtigung spiritueller Bedürfnisse sind. So verbindet das Projekt wissenschaftliche Erkenntnisse aus dem Bereich Spiritual Care mit der praktischen Erfahrung kirchlicher Behindertenseelsorge

Die Arbeit wurde bereits vor Monaten mit der digitalen Version gestartet und zeigt nun auch mit der Entwicklung eines Karten-Sets praxisreife Ergebnisse. Das Karten-Set öffnet spielerisch Türen zu Auseinandersetzung mit Spiritualität und Gesprächen über spirituelle Wünsche. Die Karten ermutigen, Teilhabewünsche zu formulieren, einen individuellen Teilhabeplan zu entwickeln und zeigen konkrete Umsetzungsmöglichkeiten“, erläutert Christiane Esser-Kapp, Pfarrerin und Referentin für Behindertenseelsorge und Inklusion am Zentrum Seelsorge und Beratung der EKHN.

Materialien kostenfrei verfügbar:

               

Materialienzum Bestellen:

  • Wendeheft „Ich habe Fragen – Ich möchte mitmachen“ 5,00 Euro

ISBN 978-3-911403-14-6

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